Hormonelle Balance bei Frauen

Hormonelle Dysbalancen betreffen viele Frauen und können sich durch ein breites Spektrum von Symptomen äußern – von Stimmungsschwankungen bis zu Gewichtsproblemen.

Auch bekannt als:HormonstörungHormonhaushaltHormonungleichgewichtÖstrogendominanzProgesteronmangel

Hormone sind chemische Botenstoffe, die in kleinsten Mengen weitreichende Wirkungen entfalten. Ein hormonelles Ungleichgewicht entsteht selten durch einen einzelnen Hormon-„Ausfall“, sondern fast immer durch das Zusammenspiel mehrerer Achsen: Sexualhormone, Stresshormone und Schilddrüse sind über komplexe Rückkopplungsmechanismen miteinander vernetzt. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Mechanismen – von der Cortisol-Progesteron-Konkurrenz bis zur Insulinresistenz als Verstärker hormoneller Dysbalancen.

Das Wichtigste in Zahlen

bis zu 80 %

der Frauen berichten von Symptomen, die auf hormonelle Dysbalancen hinweisen – in jeder Lebensphase

Women's Health Initiative; eigene Hochrechnung basierend auf epidemiologischen Daten

Perimenopause beginnt oft mit 40–45

Jahren mit relativem Progesteronmangel – Jahre bevor Östrogen deutlich abfällt

Prior JC, Climacteric 2011; Santoro N, Obstetrics & Gynecology 2016

3–5× höher

ist das Angst- und Depressionsrisiko in der späten Perimenopause im Vergleich zu prämenopausalen Jahren

Cohen LS et al., Archives of General Psychiatry 2006

30–50 %

der westlichen Frauen zwischen 35 und 55 Jahren haben laborchemische Zeichen einer Insulinresistenz

Grundy SM et al., Circulation 2005; Cobin RH, AACE

Progesteron und Cortisol: Die Pregnenolon-Konkurrenz

Sowohl Cortisol als auch Progesteron werden aus dem gemeinsamen Vorläufer Pregnenolon synthetisiert – einem Steroidhormon, das wiederum aus Cholesterin gewonnen wird. Diese biochemische Verwandtschaft hat praktische Konsequenzen: Bei chronischem Stress erhöht die Nebenniere die Cortisol-Produktion erheblich. Da Cortisol und Progesteron um dasselbe Substrat (Pregnenolon) konkurrieren und da Progesteron selbst als direkter Cortisol-Vorläufer dienen kann, entsteht bei dauerhafter Stressbelastung ein relativer Progesteronmangel – auch wenn die Eierstöcke noch normal funktionieren.

Dieser Mechanismus – oft als „Pregnenolon-Steal“ oder Cortisol-Progesteron-Konkurrenz bezeichnet – ist biochemisch nachvollziehbar, aber die direkte klinische Beweislage beim Menschen ist begrenzt. Was gut belegt ist: Chronischer Stress und erhöhter Cortisolspiegel sind mit kürzeren Lutealphasen, verminderten Progesteronwerten und menstruellen Unregelmäßigkeiten assoziiert. Die Hypothalamo-Hypophysen-Gonaden-Achse wird durch die HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophyse-Nebenniere) gehemmt: Hohe Cortisolspiegel unterdrücken die GnRH-Pulsatilität und damit LH/FSH – was Ovulation und Gelbkörperbildung beeinträchtigt.

Praktisch bedeutet das: Eine Frau mit hohem chronischem Stress, Schlafmangel und erhöhtem Cortisol kann über perimenopausale Symptome klagen – selbst wenn ihre Östrogenspiegel noch normal sind. Die Behandlung fokussiert in diesem Fall nicht primär auf Östrogen, sondern auf Stressreduktion, Schlafoptimierung und adrenale Unterstützung.

  • check_circlePregnenolon → Progesteron → Cortisol: gemeinsamer Biosyntheseweg
  • check_circleChronischer Stress → erhöhte Cortisolnachfrage → relativer Progesteronmangel
  • check_circleHPA-Achse hemmt die HPG-Achse: Cortisol supprimiert GnRH/LH/FSH
  • check_circleFolge: verkürzte Lutealphase, anovulatorische Zyklen, PMS-Verstärkung
  • check_circleKeine direkte Kausalität bewiesen, aber klinisch und biochemisch konsistent

Östrogendominanz: Relativ, nicht absolut

Der Begriff „Östrogendominanz“ ist ein klinisches Konzept, das oft missverstanden wird. Er bedeutet nicht zwingend, dass der absolute Östrogenspiegel erhöht ist. Er bedeutet, dass das Verhältnis von Östrogen zu Progesteron zugunsten des Östrogens verschoben ist. Dies kann eintreten, wenn Progesteron fällt (häufig) oder wenn Östrogen relativ erhöht ist (seltener, z. B. durch Adipositas, Umweltöstrogene, Leberbelastung).

In der frühen Perimenopause ist Östrogendominanz der typische Ausgangszustand: Ovulationen werden seltener und unvollständiger, die Lutealphase verkürzt sich, Progesteronproduktion sinkt – während Östradiol noch im Normbereich oder sogar leicht erhöht sein kann. Symptome dieser Phase sind charakteristisch: Brustspannen, Wassereinlagerungen (prämenstruell), verstärktes PMS, Stimmungsschwankungen, schlechterer Schlaf in der zweiten Zyklushälfte, Zyklusunregelmäßigkeiten mit tendenziell verstärkter Blutung.

Umweltöstrogene (Xenoöstrogene) – Substanzen wie Bisphenol A (BPA), Phthalate, Pestizide und manche Konservierungsmittel – können Östrogenrezeptoren aktivieren oder blockieren und das hormonelle Gleichgewicht stören. Die wissenschaftliche Evidenz für klinisch relevante Auswirkungen beim Menschen ist noch im Aufbau; das Vorsichtsprinzip spricht für die Reduktion von Plastikexposition, Verwendung von BPA-freien Produkten und Bio-Lebensmitteln.

  • check_circleÖstrogendominanz = Progesteron/Östrogen-Verhältnis verschoben, nicht absolut erhöhtes Östrogen
  • check_circleFrühe Perimenopause: Progesteronmangel tritt vor Östrogenmangel auf
  • check_circleSymptome: Brustspannen, Wassereinlagerungen, verstärktes PMS, Reizbarkeit, Schlafstörungen
  • check_circleAdipositas verstärkt Östrogendominanz: Fettgewebe produziert Östron via Aromatase
  • check_circleLeber: Entgiftung von Östrogenmetaboliten; Leberbelastung kann Östrogendominanz verstärken

Progesteron und das Gehirn: GABA, Schlaf und Angst

Progesteron hat weit über seinen Einfluss auf die Gebärmutterschleimhaut hinaus bedeutende Wirkungen im Zentralnervensystem. Die wichtigste: Progesteron wird in der Leber und im Gehirn zu Allopregnanolon metabolisiert – einem Neurosteroiden, das ein starker positiver Modulator des GABA-A-Rezeptors ist. GABA ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter im Gehirn; seine Aktivierung wirkt anxiolytisch, sedierend und antiepileptisch.

Wenn Progesteron sinkt – in der zweiten Zyklushälfte bei PMS, in der Perimenopause, nach der Geburt (Wochenbettdepression!) – fällt auch der Allopreganolonspiegel. Weniger GABAerge Hemmung bedeutet: erhöhte Erregbarkeit, schlechterer Schlaf (insbesondere des Tiefschlafs), erhöhte Angstsymptome und Stimmungsinstabilität. Dieser Mechanismus erklärt, warum viele Frauen prämenstruell und in der Perimenopause über Angst, Reizbarkeit und Einschlafschwierigkeiten klagen – auch wenn Östrogen noch normal ist.

Bioidentisches mikronisiertes Progesteron (z. B. Utrogest® oral) wird in der Leber zu Allopregnanolon verstoffwechselt und hat damit direkte sedierende, anxiolytische und schlaffördernde Wirkung – was es von synthetischen Gestagenen (Medroxyprogesteronacetat, Norethisteron) unterscheidet, die diesen Metabolismus nicht durchlaufen. Klinisch wird oral eingenommenes bioidentisches Progesteron abends vor dem Schlafen dosiert, um die schlaffördernde Wirkung zu nutzen. Dies ist ein klinisch relevanter Unterschied, der bei der Auswahl der Hormontherapie berücksichtigt werden sollte.

  • check_circleProgesteron → Allopregnanolon (Neurosteroid) → GABA-A-Rezeptor-Modulation
  • check_circleNiedrige Progesteronphasen = weniger GABA = mehr Angst, Schlafstörungen, Reizbarkeit
  • check_circleErklärt: PMS, postpartale Depression, perimenopausale Angststörungen
  • check_circleMikronisiertes Progesteron (oral, abends) nutzt diesen Metabolismusweg – synthetische Gestagene nicht
  • check_circleTopisches Progesteron (Creme) hat deutlich geringere systemische Bioverfügbarkeit

DHEA und das Altern der Nebennieren

DHEA (Dehydroepiandrosteron) ist das mengenmäßig häufigste Steroidhormon im menschlichen Blut. Die Nebenniere produziert DHEA und seinen Sulfatester DHEA-S als Vorläufer für Sexualhormone in peripheren Geweben, insbesondere für Testosteron und Östrogene in Muskel, Haut, Fettgewebe und Knochen. DHEA-Spiegel erreichen ihren Höhepunkt im Alter von 20–25 Jahren und fallen danach kontinuierlich – mit 70 Jahren liegen sie nur noch bei 10–20 % des Jugendwertes.

Diese physiologische Abnahme des DHEA (Adrenopause) ist mit dem generellen Alterungsprozess assoziiert, verläuft aber individuell sehr unterschiedlich. Niedrige DHEA-S-Werte werden mit verminderter Libido, Energie, Knochendichte und möglicherweise erhöhtem kardiovaskulärem Risiko assoziiert. DHEA-Substitution wird von manchen Spezialisten bei nachgewiesenem Mangel und Symptomen eingesetzt, ist aber – außer in der vaginalen Applikation (Prasterone/Intrarosa® für GSM) – in Deutschland nicht zugelassen. Die Evidenz für systemische DHEA-Supplementierung ist uneinheitlich.

Relevant für den hormonellen Kontext: Da DHEA ein Vorläufer für Östrogen und Testosteron ist, beeinflusst sein Abfall auch die Sexualhormon-Balance. Dies ist besonders nach der Menopause relevant, wenn die Eierstöcke als Hauptöstrogenquelle ausfallen – jetzt werden Nebenniere und peripheres Gewebe (Fett, Haut) zur dominierenden Östrogenquelle, über die Konversion von DHEA.

Insulin, Insulinresistenz und Hormonspiegel

Insulin ist ein Anabolhormon, das nach Kohlenhydratkonsum von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet wird. Seine Aufgabe ist die zelluläre Glukoseaufnahme. Bei chronisch hohen Insulinspiegeln – bedingt durch kalorienreiche Ernährung, Bewegungsmangel, Schlafmangel und Stress – entwickeln Zellen eine Insulinresistenz: Sie reagieren weniger empfindlich auf Insulin, die Bauchspeicheldrüse muss mehr produzieren, und ein Teufelskreis entsteht.

Insulinresistenz wirkt sich direkt auf den Hormonhaushalt aus: (1) Hohe Insulinspiegel hemmen die Leber-Produktion von SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin) – sinkt SHBG, stehen mehr freies Östrogen und Testosteron im Blut zur Verfügung, was sowohl Androgenisierungszeichen (Akne, Hirsutismus) als auch Östrogendominanz-Symptome verstärkt. (2) Insulin stimuliert die ovariellen und adrenalen Androgen-Produktion. (3) Chronische Entzündung (assoziiert mit Insulinresistenz) beeinträchtigt die T4→T3-Konversion und belastet die HPA-Achse. (4) Insulinresistenz und erhöhte Androgene sind die zwei Kernmechanismen des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS) – der häufigsten Hormonstörung bei Frauen im reproduktiven Alter.

Lebensstil-Interventionen zur Verbesserung der Insulinsensitivität haben nachweislich auch hormonelle Auswirkungen: Krafttraining erhöht SHBG und senkt Androgene; Intervallfasten und Low-Carb-Ernährung reduzieren Insulinspitzen und SHBG-Abfall; Schlaf ≥ 7 Stunden/Nacht verbessert die Insulinsensitivität messbar; Stressreduktion (Senkung von Cortisol) mindert die adrenale Androgenproduktion.

  • check_circleInsulinresistenz → niedriges SHBG → mehr freies Östrogen und Testosteron
  • check_circleHohe Insulinspiegel stimulieren ovarielle Androgenproduktion
  • check_circleChronische Entzündung (Folge von Insulinresistenz) stört T4→T3-Konversion
  • check_circleInsulinresistenz + Androgene = Kernmechanismus von PCOS
  • check_circleKrafttraining, Schlaf, Stressreduktion verbessern Insulinsensitivität und Hormonbalance

Hormondiagnostik: Wann testen, wie testen, was testen

Hormondiagnostik ist nur dann aussagekräftig, wenn Zeitpunkt und Methode stimmen. Für Frauen mit regulärem Zyklus gilt: Östradiol und FSH am 2.–5. Zyklustag (frühe Follikelphase), Progesteron am 19.–21. Zyklustag (sieben Tage nach erwartetem Eisprung, mittige Lutealphase). Testosteron morgens (Tagesvariation beachten). Cortisol morgens zwischen 8 und 10 Uhr (Cortisol-Tagesprofil). In der Perimenopause und Postmenopause entfällt die Zyklusgebundenheit; Hormone können jederzeit bestimmt werden.

Speichel vs. Blut für Cortisol: Die Cortisolmessung im Speichel (Tagesprofil: morgens, mittags, abends, vor dem Schlafen) ist besonders wertvoll, um das zirkadiane Muster zu beurteilen. Ein abgeflachtes Tagesprofil (niedriges Morgen-Cortisol, relativ erhöhtes Abend-Cortisol) ist ein Marker für HPA-Dysregulation durch chronischen Stress. Blut-Cortisol (morgens) spiegelt eher akute Stressreaktion wider. Die sogenannte „Nebennierenschwäche“ (Adrenal Fatigue) ist kein anerkanntes medizinisches Diagnosekonzept; was beschrieben wird, entspricht am ehesten einer HPA-Achsen-Dysregulation.

Labormedizinische Hinweise: Bei der Interpretation von Sexualhormonen im Blut ist zu beachten, dass die meisten Hormone zyklusabhängig schwanken und ein Einzelwert oft wenig aussagekräftig ist. SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin) und der Freie Androgen-Index (FAI) sind hilfreiche Ergänzungen. Ein vollständiges Hormonpanel bei klinischem Verdacht auf Dysbalance umfasst: Östradiol, Progesteron, Testosteron (frei und gesamt), SHBG, DHEA-S, FSH, LH, TSH, fT3, fT4, TPO-Ak, Cortisol-Tagesprofil (Speichel), Insulin nüchtern, IGF-1.

  • check_circleÖstradiol, FSH: Zyklustag 2–5 (Follikelphase)
  • check_circleProgesteron: Zyklustag 19–21 (mittige Lutealphase, 7 Tage nach Eisprung)
  • check_circleTestosteron: morgens (8–10 Uhr), nüchtern
  • check_circleCortisol-Tagesprofil: Speichel, 4 Zeitpunkte (morgens/mittags/abends/nachts)
  • check_circleTSH, fT3, fT4 jederzeit bestimmbar – nüchtern bevorzugt
  • check_circleSHBG messen – niedriges SHBG zeigt erhöhte Bioverfügbarkeit der Sexualhormone

Symptome bei Hormonstörungen

Die Symptome bei Hormonstörungen sind vielfältig. Klicke auf ein Symptom, um mehr zu erfahren:

Stimmungsschwankungen

Hormonell bedingte Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und depressive Verstimmungen sind häufig in der Perimenopause und bei anderen hormonellen Erkrankungen.

Gewichtszunahme

Unerklärliche Gewichtszunahme, besonders im Bauchbereich, ist ein häufiges Symptom hormoneller Veränderungen und kann trotz Ernährungsumstellung anhalten.

Müdigkeit

Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung sind häufige Symptome hormoneller Dysbalancen und können die Lebensqualität stark einschränken.

Haarausfall

Haarausfall bei Frauen (Alopezie) ist oft hormonell bedingt und kann auf Schilddrüsenerkrankungen, Wechseljahre oder andere hormonelle Dysbalancen hinweisen.

Hormonelle Akne

Hormonelle Akne tritt typischerweise im Kinn- und Kieferbereich auf und ist auf Hormonschwankungen zurückzuführen – besonders auf Androgenüberschuss und Progesteron-Östrogen-Dysbalancen.

PMS

PMS bezeichnet körperliche und psychische Beschwerden in der zweiten Zyklushälfte, die durch Hormonschwankungen – insbesondere den Abfall von Progesteron und Östrogen – ausgelöst werden.

Libidoverlust

Ein nachlassendes sexuelles Verlangen ist bei Frauen häufig hormonell bedingt und betrifft viele Frauen in der Perimenopause und darüber hinaus.

Schlafstörungen

Schlafstörungen bei Frauen mit hormonellen Veränderungen äußern sich oft als Ein- oder Durchschlafprobleme, häufiges Aufwachen oder nicht erholsamer Schlaf.

Konzentrationsprobleme

Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit und der sogenannte "Brain Fog" gehören zu den belastendsten, aber wenig bekannten Symptomen hormoneller Veränderungen bei Frauen.

Hitzewallungen

Hitzewallungen sind plötzliche Wärmegefühle, meist in Brust, Hals und Gesicht, die oft mit Schweißausbrüchen und Herzrasen verbunden sind.

Nachtschweiß

Starkes Schwitzen in der Nacht, das das Bettzeug durchnässt und den Schlaf unterbricht, ist ein klassisches Symptom der Wechseljahre und weiterer hormoneller Störungen.

Scheidentrockenheit

Scheidentrockenheit entsteht durch sinkende Östrogenspiegel, die das vaginale Gewebe dünner und weniger feucht machen – ein häufiges, aber wenig besprochenes Symptom der Wechseljahre.

Herzrasen

Herzrasen, Herzstolpern oder ein unregelmäßiger Herzschlag ohne erkennbaren Auslöser sind häufige Begleitsymptome hormoneller Schwankungen – besonders in der Perimenopause und bei Schilddrüsenerkrankungen.

Kopfschmerzen & Migräne

Hormonelle Schwankungen sind die häufigste Ursache für Kopfschmerzen und Migräne bei Frauen – besonders der Östrogenabfall kurz vor der Periode und in der Perimenopause.

Wassereinlagerungen

Hormonell bedingte Wassereinlagerungen entstehen durch das Zusammenspiel von Östrogen, Progesteron und Cortisol – besonders in der zweiten Zyklushälfte, in der Perimenopause und bei Schilddrüsenunterfunktion.

Reizbarkeit

Reizbarkeit, kurze Zündschnur und innere Unruhe sind häufige Symptome hormoneller Dysbalancen – besonders in der Perimenopause und bei Schilddrüsenerkrankungen, wenn Hormone das zentrale Nervensystem direkt beeinflussen.

Panikattacken & Angst

Panikattacken und neu auftretende Angststörungen bei Frauen über 35 haben häufig eine hormonelle Ursache – besonders perimenopausale Östrogenschwankungen, die das Amygdala-System destabilisieren.

Antriebslosigkeit

Anhaltende Antriebslosigkeit und Motivationslosigkeit bei Frauen sind oft hormonal bedingt – Schilddrüsenunterfunktion, Östrogenmangel und Testosteronmangel beeinflussen die Dopamin-Motivation-Achse direkt.

Depressionen

Depressionen und anhaltende depressive Verstimmungen bei Frauen in der Perimenopause und mit Schilddrüsenerkrankungen sind oft hormonell bedingt – Östrogen, Progesteron und Schilddrüsenhormone haben direkte Wirkung auf das Gehirn.

Angststörungen

Anhaltende Angstzustände und Angststörungen bei Frauen in der Perimenopause und mit Hormonstörungen sind häufig neurochemisch bedingt – Progesteron- und Östrogenabfall wirken direkt auf die Angstzentren im Gehirn.

Zyklusveränderungen

Unregelmäßige Zyklen, ausbleibende Periode oder veränderte Blutungen sind häufige Frühzeichen der Perimenopause, des PCOS und anderer hormoneller Störungen. Der Zyklus ist der 'fünfte Vitalzeichen' der weiblichen Gesundheit.

Bauchbeschwerden

Blähungen, Verstopfung, Durchfall und Bauchschmerzen sind häufige Begleitsymptome bei Hashimoto, PCOS und hormonellen Dysbalancen – Schilddrüsenhormone und Östrogen wirken direkt auf die Darmfunktion.

Zusammenhänge & verwandte Erkrankungen

Häufige Fragen zu Hormonstörungen

Was bedeutet Östrogendominanz, und woher weiß ich, ob ich sie habe?expand_more

Östrogendominanz bedeutet, dass das Verhältnis von Östrogen zu Progesteron zugunsten des Östrogens verschoben ist – nicht zwingend durch erhöhtes Östrogen, sondern oft durch zu niedriges Progesteron. Typische Hinweise: Brustspannen besonders in der zweiten Zyklushälfte, Wassereinlagerungen prämenstruell, starke Menstruationsblutungen, PMS mit Reizbarkeit und Stimmungstiefs, Schlafstörungen in der Lutealphase. Diagnosefähig durch: Progesteronmessung am Zyklustag 19–21 (Zielwert > 10 ng/mL bei ovulatorischen Zyklen) und Östradiolmessung. Komplementär: SHBG-Bestimmung (niedriges SHBG verstärkt relative Östrogenwirkung).

Kann chronischer Stress wirklich meine Hormone durcheinanderbringen?expand_more

Ja – und zwar über mehrere Mechanismen. Cortisol konkurriert mit Progesteron um den gemeinsamen Vorläufer Pregnenolon; die HPA-Achse hemmt die Sexualhormonachse über Suppression von GnRH. Das Ergebnis: bei chronischem Stress sinkt Progesteron, werden Zyklen unregelmäßiger, sinkt die Schilddrüsenkonversion (T4→T3), und steigt der Blutzucker durch kortisolvermittelte Glukoneogenese. Stressmanagement (Schlaf, Ausdauersport, Entspannungsverfahren) ist kein „Wellness-Tipp“, sondern eine direkte hormonelle Intervention.

Ab wann beginnt Progesteron abzufallen, und was sind die Zeichen?expand_more

Progesteron beginnt bereits in den frühen 40ern abzufallen – oft Jahre bevor Östrogen sinkt. Der Grund: Ovulationen werden seltener und unvollständiger; weniger Gelbkörper bedeuten weniger Progesteron. Zeichen des relativen Progesteronmangels: Verkürzung der Lutealphase (Zyklus wird kürzer), verschlechtertes prämenstruelles Syndrom, schlechterer Schlaf in der zweiten Zyklushälfte, erhöhte Reizbarkeit, Angst und Stimmungstiefs. Diese Symptome treten auf, obwohl Östrogen noch normal ist – weshalb sie in der konventionellen Medizin oft nicht als hormonell erkannt werden.

Welche Lebensstil-Maßnahmen haben den stärksten Einfluss auf den Hormonhaushalt?expand_more

Die drei nachweislich wirksamsten Maßnahmen sind: (1) **Schlaf**: 7–9 Stunden Schlaf normalisiert den Cortisolrhythmus, verbessert Insulinsensitivität und stellt die Wachstumshormon-Sekretion sicher. Schlafmangel erhöht Cortisol, Ghrelin und Insulinresistenz innerhalb weniger Tage. (2) **Krafttraining**: Erhöht SHBG, reduziert Androgene, verbessert Insulinsensitivität, schützt die Knochendichte in der Perimenopause. (3) **Stressreduktion**: Regelmäßige Entspannungspraktiken (Yoga, Meditation, Atemübungen) senken Kortisol messbar (Mehrere RCTs) und reduzieren anovulatorische Zyklen.

Ist Speichel- oder Bluthormontest besser für die Hormonstatus-Bestimmung?expand_more

Für die meisten Sexualhormone (Östradiol, Progesteron, Testosteron, FSH, LH, DHEA-S, TSH) ist die **Blutuntersuchung der Goldstandard** – sie ist standardisierter, reproduzierbarer und von allen Laboren etabliert. Für das **Cortisol-Tagesprofil** hat der Speicheltest klinischen Mehrwert, weil mehrere Messungen über den Tag möglich sind – so lässt sich das zirkadiane Muster beurteilen, nicht nur ein Einzelwert. Private Speichelhormon-Tests für Sexualhormone gelten in der Endokrinologie als weniger zuverlässig und werden für die routinemäßige Diagnostik nicht empfohlen.

Quellen & Literatur

  1. Prior JC (2011). Progesterone for Symptomatic Perimenopause Treatment – Progesterone politics, physiology and potential for perimenopause. Facts, Views & Vision in ObGyn, 3(2), 109–120.
  2. Baulieu EE, Thomas G, Legrain S et al. (2000). Dehydroepiandrosterone (DHEA), DHEA sulfate, and aging: contribution of the DHEAge Study to a sociobiomedical issue. Proceedings of the National Academy of Sciences, 97(8), 4279–4284.
  3. Cohen LS, Soares CN, Vitonis AF, Otto MW, Harlow BL (2006). Risk for new onset of depression during the menopausal transition: the Harvard Study of Moods and Cycles. Archives of General Psychiatry, 63(4), 385–390.
  4. Genazzani AD, Stomati M, Bernardi F, Pieri M, Rovati L, Genazzani AR (2003). Long-term low-dose dehydroepiandrosterone oral supplementation in early and late postmenopausal women modulates endocrine parameters and synthesis of neuroactive steroids. Fertility and Sterility, 80(6), 1495–1501.
  5. Burger HG, Dudley EC, Hopper JL et al. (1999). Prospectively measured levels of serum follicle-stimulating hormone, estradiol, and the dimeric inhibins during the menopausal transition in a population-based cohort of women. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 84(11), 4025–4030.
  6. Rao A, Steels E, Beccaria G, Inder WJ, Vitetta L (2016). Adaptogenic and anxiolytic effects of ashwagandha root extract in healthy adults: a double-blind, randomized, placebo-controlled clinical study. Journal of Evidence-Based Complementary & Alternative Medicine, 21(4), 261–267.Stellvertretend für Evidenz zu adaptogenen Pflanzenstoffen bei Stresshormonen

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