PCOS oder Hashimoto? Wenn Hormonprobleme sich ähneln

Unregelmäßige Periode, Haarausfall, Gewichtsprobleme, Stimmungsschwankungen – diese Symptome können sowohl auf PCOS (Polyzystisches Ovarsyndrom) als auch auf Hashimoto Thyreoiditis hinweisen. Beide Erkrankungen betreffen junge Frauen überproportional häufig und treten erschreckend oft gleichzeitig auf: Studien zeigen, dass bis zu 27 % der Frauen mit PCOS auch eine Schilddrüsenerkrankung haben.

helpWarum werden sie so oft verwechselt?

PCOS und Hashimoto sind beide hormonelle Erkrankungen, die den Zyklus, das Gewicht und die Stimmung beeinflussen. Der entscheidende Unterschied: PCOS ist primär eine Ovulationsstörung durch Androgenüberschuss, Hashimoto eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Aber Hashimoto kann PCOS-ähnliche Symptome auslösen, weil Schilddrüsenhormone direkt die Ovarialfunktion beeinflussen.

Gemeinsame Symptome

Diese Symptome treten bei beiden auf – sie helfen nicht bei der Unterscheidung:

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Haarausfall

Haarausfall bei Frauen (Alopezie) ist oft hormonell bedingt und kann auf Schilddrüsenerkrankungen, Wechseljahre oder andere hormonelle Dysbalancen hinweisen.

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Gewichtszunahme

Unerklärliche Gewichtszunahme, besonders im Bauchbereich, ist ein häufiges Symptom hormoneller Veränderungen und kann trotz Ernährungsumstellung anhalten.

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Müdigkeit

Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung sind häufige Symptome hormoneller Dysbalancen und können die Lebensqualität stark einschränken.

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Stimmungsschwankungen

Hormonell bedingte Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und depressive Verstimmungen sind häufig in der Perimenopause und bei anderen hormonellen Erkrankungen.

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Hormonelle Akne

Hormonelle Akne tritt typischerweise im Kinn- und Kieferbereich auf und ist auf Hormonschwankungen zurückzuführen – besonders auf Androgenüberschuss und Progesteron-Östrogen-Dysbalancen.

Unterscheidende Symptome

Diese Symptome sind spezifisch für eine der beiden Erkrankungen und helfen bei der Abgrenzung:

Eher PCOS

  • check_circlePMS

Eher Hashimoto

  • check_circleFrieren
  • check_circleVerstopfung
  • check_circleTrockene Haut

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

AspektPCOSHashimoto
ZyklusveränderungenOligomenorrhoe (selten) oder Amenorrhoe; unregelmäßige oder ausbleibende OvulationKann Zyklusveränderungen verursachen, aber anders: Hashimoto verlängert Zyklen durch Schilddrüsenhormonmangel
AndrogeneErhöhtes freies Testosteron oder DHEA-S; Hirsutismus (Gesichtsbehaarung, Bauchbehaarung)Androgene normal; kein Hirsutismus
Charakteristisches SymptomVermehrte Körperbehaarung, Akne, Zysten in den EierstöckenKälteintoleranz, Verstopfung, verlangsamter Puls, Gewichtszunahme trotz Diät
InsulinresistenzIn 70 % der Fälle – zentrales Merkmal von PCOSSelten direkt – aber Hypothyreose kann Insulinsensitivität verschlechtern
DiagnoseRotterdam-Kriterien: 2 von 3: Oligo-Anovulation, Hyperandrogenismus, polyzystische Ovarien im UltraschallTSH erhöht oder Anti-TPO positiv + Ultraschall der Schilddrüse

Welche Laborwerte helfen?

Der wichtigste Unterschied im Alltag: Hirsutismus (vermehrte Körperbehaarung, besonders Gesicht und Bauch) spricht klar für PCOS. Kälteintoleranz und Verstopfung sprechen klar für Hypothyreose. Beide Erkrankungen treten häufig gemeinsam auf – das vollständige Labor sollte immer TSH, Anti-TPO, freies Testosteron, DHEA-S, Insulin und FSH/LH umfassen.

TestPCOSHashimoto
TSH + Anti-TPONormal – kein Hinweis auf SchilddrüsenproblemTSH erhöht; Anti-TPO positiv – beweisend für Hashimoto
Freies Testosteron + DHEA-SErhöht – zentrales Diagnosekriterium für PCOSNormal
LH/FSH-QuotientErhöht (> 2:1) – typisch für PCOSNormal
Insulin (nüchtern) + GlukoseHäufig erhöht; HOMA-IR-Index > 2,0 zeigt InsulinresistenzNormal
Ultraschall OvarienPolyzystische Ovarien: > 12 Follikel je Seite, erhöhtes OvarvolumenOvarien normal; Schilddrüse inhomogen, echoarm

Häufige Fragen

Kann Hashimoto PCOS auslösen oder verschlimmern?expand_more

Ja. Schilddrüsenhormone sind direkt an der Regulation des Menstruationszyklus beteiligt. Eine Hypothyreose kann polyzystische Veränderungen der Eierstöcke verursachen, die PCOS ähneln. Bei vielen Frauen verschwinden PCOS-ähnliche Befunde nach erfolgreicher Hashimoto-Behandlung.

Welche Untersuchung sollte ich als erstes machen lassen?expand_more

Blut: TSH, Anti-TPO, freies Testosteron, DHEA-S, LH, FSH, Nüchterninsulin und Blutzucker. Ultraschall: Schilddrüse und Ovarien. Am besten alles in einer Abklärung – so spart man Zeit und schließt beide Erkrankungen gleichzeitig aus oder ein.

Warum dauert die PCOS-Diagnose so lange?expand_more

Weil die Symptome unspezifisch sind und PCOS kein einheitliches Erscheinungsbild hat. Manche Frauen sind schlank ohne Akne aber mit Zyklusstörung; andere haben Hirsutismus und Akne aber einen regelmäßigen Zyklus. Und viele Ärzte testen PCOS und Schilddrüse nicht gleichzeitig – obwohl sie häufig koexistieren.

Quellen & Literatur

  1. Janssen OE et al. (2004). High prevalence of autoimmune thyroiditis in patients with polycystic ovary syndrome. European Journal of Endocrinology.
  2. Garber JR et al. (2012). Clinical practice guidelines for hypothyroidism in adults. Thyroid.
  3. Teede HJ et al. (2018). Recommendations from the international evidence-based guideline for the assessment and management of PCOS. Human Reproduction.

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