Herzrasen bei Hashimoto: Ursachen, Diagnose & Hilfe
Herzrasen, Herzstolpern oder ein unregelmäßiger Herzschlag ohne erkennbaren Auslöser sind häufige Begleitsymptome hormoneller Schwankungen – besonders in der Perimenopause und bei Schilddrüsenerkrankungen. Im Zusammenhang mit Hashimoto ist herzrasen ein häufiges und belastendes Symptom – aber es gibt wirksame Hilfe.
Auf einen Blick
- check_circleHerzrasen ist ein häufiges Symptom bei Hashimoto
- check_circleHormonelle Veränderungen spielen eine zentrale Rolle
- check_circleÄrztliche Abklärung ist der erste wichtige Schritt
Bei Hashimoto kann Herzrasen in zwei sehr unterschiedlichen Kontexten auftreten: Bei einem Hashimoto-Schub mit vorübergehender Entzündungsthyreoiditis werden kurzfristig erhöhte Schilddrüsenhormone freigesetzt, was Palpitationen, Herzrasen und innere Unruhe verursacht. Bei einer bestehenden Hypothyreose unter Medikation kann eine zu hohe L-Thyroxin-Dosis ebenfalls Herzrasen auslösen. Die Dosiskontrolle über TSH-Messungen ist daher essenziell.
Herzrasen bei Hashimoto: Was steckt dahinter?
Östrogen wirkt kardioprotektiv auf mehrere Wege: Es moduliert die Aktivität von Ionenkanälen im Herzmuskel, beeinflusst das Renin-Angiotensin-System und hat direkte vasodilatatorische Effekte. Wenn der Östrogenspiegel in der Perimenopause sinkt oder stark schwankt, verliert das Herz-Kreislauf-System diese regulierende Wirkung. Das Resultat: eine erhöhte Sensitivität des Herzens gegenüber adrenergen Reizen, was sich als Palpitationen, Herzstolpern oder anfallsartiges Herzrasen äußert – besonders nachts oder im Zusammenhang mit Hitzewallungen.
Bei Schilddrüsenüberfunktion wirkt T3 direkt auf myokardiale Beta-Rezeptoren und erhöht sowohl Herzfrequenz als auch Kontraktionskraft. Selbst eine subklinische Hyperthyreose (TSH erniedrigt, T3/T4 noch normal) kann Palpitationen verursachen. Bei Hashimoto gibt es beide Extreme: Während Schüben mit temporärer Hyperthyreose können Palpitationen auftreten, bei Hypothyreose verlangsamter Puls und Belastungsdyspnoe.
Ursachen für Herzrasen bei Hashimoto
Herzrasen im Zusammenhang mit Hashimoto Thyreoiditis kann verschiedene hormonelle und physiologische Ursachen haben:
- arrow_forwardÖstrogenabfall in der Perimenopause verändert das Gleichgewicht des autonomen Nervensystems zugunsten des Sympathikus
- arrow_forwardSchilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) beschleunigt den Herzschlag direkt über T3-Rezeptoren am Herzen
- arrow_forwardProgesteronmangel erhöht die sympathische Aktivität und verringert den dämpfenden GABA-Effekt
- arrow_forwardNiedrige Elektrolyte (Magnesium, Kalium) durch hormonell bedingte Ausscheidungsveränderungen
- arrow_forwardChronischer Stress und erhöhtes Cortisol aktivieren das sympathische Nervensystem dauerhaft
- arrow_forwardEisenmangel (häufig bei Frauen mit starken Periodenblutungen) führt zur kompensatorischen Herzfrequenzerhöhung
medical_servicesWann zum Arzt?
Sofort zum Arzt: Bei anhaltendem Herzrasen >30 Minuten, Herzrasen mit Schwindel, Ohnmacht, Brustschmerzen oder Atemnot. Zeitnah: Bei regelmäßig wiederkehrendem Herzrasen ohne erklärbaren Auslöser, besonders wenn neu aufgetreten. Ein EKG und TSH-Wert sind immer sinnvoll.
Diagnose: Welche Untersuchungen sind sinnvoll?
Um die Ursache von herzrasen bei Hashimoto abzuklären, empfehlen sich folgende Untersuchungen:
TSH, fT3, fT4
Schilddrüsenüberfunktion als häufige, gut behandelbare Ursache ausschließen – besonders bei Herzrasen mit Gewichtsverlust und Wärmeempfindlichkeit
FSH + Östradiol
Perimenopausalen Status bestimmen; starke Östrogenschwankungen korrelieren mit Palpitationshäufigkeit
Magnesium (intrazellulär) + Kalium
Elektrolytmangel als direkte Ursache von Herzrhythmusstörungen ausschließen
Ferritin + Hämoglobin
Eisenmangel-Anämie führt zu kompensatorischer Herzfrequenzerhöhung; Ferritin <30 ng/ml ist bereits funktionell relevant
EKG (bei anhaltendem Herzrasen)
Vorhofflimmern und andere Arrhythmien ausschließen – Überweisung zum Kardiologen bei Unregelmäßigkeiten
Das können Sie selbst tun
- spaMagnesium (400 mg täglich, abends) – stabilisiert Herzrhythmus und reduziert sympathische Überaktivität
- spaStressreduktion: Cortisol ist ein starker Herzfrequenz-Treiber; Meditation, Yoga und HRV-Training helfen nachweislich
- spaKoffein und Alkohol reduzieren – beide erhöhen die adrenerge Aktivität und senken die Reizschwelle für Palpitationen
- spaRegelmäßiger Ausdauersport verbessert die Herzratenvariabilität (HRV) und das autonome Gleichgewicht
- spaÖstrogen- und Progesteronstatus abklären lassen: HRT oder bioidentisches Progesteron kann Palpitationen in der Perimenopause effektiv reduzieren
Häufige Fragen zu Herzrasen bei Hashimoto
Kann Herzrasen ein Wechseljahre-Symptom sein?
Ja – Palpitationen sind ein klassisches, aber oft übersehenes Wechseljahressymptom. In der SWAN-Studie berichteten über 40 % der Perimenopause-Frauen davon. Der Mechanismus: Östrogenabfall destabilisiert das autonome Nervensystem. Nach Ausschluss kardialer Ursachen (EKG, Schilddrüse) sollte immer der perimenopausale Hormonstatus geprüft werden.
Was hilft gegen Herzrasen in den Wechseljahren?
Zunächst kardinale Ursachen ausschließen (EKG, TSH). Dann: Magnesium 400 mg abends, Koffein und Alkohol reduzieren, Stressmanagement. Bei hormonal bedingten Palpitationen kann Progesteron (bioidentisch) helfen, da es den dämpfenden GABA-Effekt auf das Nervensystem stärkt. HRT kann Palpitationen bei vielen Frauen deutlich reduzieren.
Wann ist Herzrasen gefährlich?
Sofort zum Arzt: Herzrasen mit Brustschmerz, Atemnot, Schwindel oder Ohnmacht. Zeitnah abklären: Anhaltend >30 Minuten, unregelmäßiger Herzschlag (Vorhofflimmern-Verdacht), Herzrasen >150 Schläge/Minute in Ruhe. Auch neu aufgetretenes Herzrasen nach 40 sollte mit EKG und Schilddrüsenwerten abgeklärt werden.
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