Hormonersatztherapie: Vor- und Nachteile im Überblick
Kurze Antwort
Die Hormonersatztherapie (HRT) ist die wirksamste Behandlung von Wechseljahresbeschwerden. Aktuelle Leitlinien (DGGG 2020) sehen HRT als sicher für gesunde Frauen unter 60 ohne Risikofaktoren. Das früher befürchtete Brustkrebsrisiko war in der WHI-Studie stark überschätzt worden.
Vorteile der Hormonersatztherapie
HRT lindert vasomotorische Symptome (Hitzewallungen, Nachtschweiß) bei 80–90 % der Frauen wirksam. Weitere belegte Vorteile: Verbesserung von Schlaf, Stimmung und Libido. Schutz vor Osteoporose (belegt durch multiple RCTs). Reduzierung des kardiovaskulären Risikos, wenn in den ersten 10 Jahren nach Menopause begonnen (Window of Opportunity). Schutz vor urogenitaler Atrophie (lokale Östrogentherapie). Mögliche Reduktion des Demenzrisikos bei frühem Beginn.
Risiken und für wen HRT nicht geeignet ist
Das Brustkrebsrisiko durch HRT ist geringer als lange angenommen: Die vieldiskutierte WHI-Studie hatte methodische Mängel und verwendete synthetische Hormone. Bioidentische Östrogen-Progesteron-Kombinationen zeigen in neueren Studien (KEEPS, ELITE) kein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Kontraindikationen: Östrogenabhängige Tumoren (Brustkrebs, bestimmte Uteruskarzinome), aktive Thrombose/Lungenembolie, schwere Lebererkrankung. Bei Raucherinnen über 35: transdermal statt oral, um Thromboserisiko zu minimieren.
Bioidentische vs. synthetische Hormone
Bioidentische Hormone haben dieselbe Molekülstruktur wie körpereigene Hormone. Östradiolpflaster und mikronisiertes Progesteron (z.B. Utrogest) gelten als verträglicher als synthetische Gestagene. Besonders Progesteron hat einen direkten schlaffördernden und angstlösenden Effekt – ein Vorteil gegenüber synthetischen Alternativen. Die DGGG empfiehlt 2020: 'HRT kann für die Mehrzahl der Frauen unter 60 Jahren oder innerhalb von 10 Jahren nach der Menopause empfohlen werden, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt.'
Weitere häufige Fragen
Wie lange kann man Hormonersatztherapie nehmen?
Es gibt keine festgelegte Höchstdauer. Die DGGG empfiehlt die kleinstmögliche wirksame Dosis für die kürzest notwendige Zeit – aber 'so kurz wie nötig' kann bei anhaltenden Beschwerden auch 10+ Jahre bedeuten. Entscheidend: jährliche Überprüfung von Nutzen und Risiko gemeinsam mit der Ärztin.
Kann man HRT auch bei Hashimoto nehmen?
Ja, in der Regel ist HRT bei Hashimoto möglich und kann sogar die Schilddrüsenfunktion unterstützen, da Östrogen die Schilddrüsenhormonbindung beeinflusst. Die L-Thyroxin-Dosis muss unter HRT manchmal angepasst werden. Absprache mit Endokrinologe und Gynäkologin ist empfehlenswert.
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